Vom 17.-21.07.23 unser Hüttentrekk im Pitztal. Mit bequemem Auftakt: per nagelneuer Bergbahn fast schon bis auf den Gipfel des Hochzeigers. Und das alles dank Beziehungen schwäbisch-günstig.
In unseren Sommern gleich auf 2500 m Höhe zu starten ist gar nicht so blöd: die Temperaturen dort oben sind oft so, wie wir sie eigentlich 1000 m tiefer erwarten würden. Nämlich hoch, zu hoch!
Also bereits nach wenigen Minuten die erste Gipfelrast, bevor es weitergeht. Bis zur Erlanger Hütte ist´s schließlich noch ein Stück, und da geht´s auch noch über eine recht imposante Berggestalt, die da in einiger Entfernung fast unnahbar und wolkenumtost zu uns rüberspitzelt.
Zunächst wieder etwas absteigen - trittsicher, dann zum Großsee samt obligatorischem Eintauchen unserer Badenixen und weiter im Bereich T3+/T4- mit Stellen I hoch zum Gipfel des Wildgrats auf 2.971 m. Weit unten grüßen bereits Wettersee und Erlanger Hütte, die wir im konzentrierten Abstieg erreichen.
Neben Quartier werden auch Liegestühle bezogen, Topfenstrudel und sonstigen Genüssen geben wir uns hin - manche natürlich auch hier wieder dem Bad im Bergsee.
Gut und freundlichst versorgt verlassen wir am nächsten Morgen die herrlich auf 2541 m Höhe überm Ötztal gelegene Hütte, steigen am See vorbei hoch in eine Scharte und drüben erstmal weit runter ins Leierstal, unser nächstes Gipfelziel am Geigenkamm direkt gegenüber.
Nach gemütlichen 700 Hm gestern stehen heute über 1000 Hm im Auf- und 1500 Hm im Abstieg an, tagfüllend. Rucksackdepot unterhalb der Feilerscharte, dann über diese am Grat auf´s Dach unserer Mehrtagestour, den Fundusfeiler auf 3079 m Höhe. Sehr schöner Wanderberg, T3.
Im Abstieg zum Lehnerjoch sieht der Himmel aus Nordwest nicht mehr freundlich aus - es war eigentlich bis abends kein Niederschlag + Gewitter gemeldet.
Was uns zwischen Joch auf 2510 m Höhe und Ludwigsburger Hütte auf 1935 m heimsucht - eine Grenzerfahrung. Regen, Sturm, Hagel - waagerecht, schmerzhaft, Blitz + Donner direkt über uns. Dankbar erreichen wir gesund die Hütte, durchnässt trotz Regenklamotten. Vor allem die Schuhe sind vollgelaufen. Die Hüttenwirtin be-müht sich, aber am Morgen steigen unsere Füße in subtropisches Feuchtklima ...
Massive Sturmschäden überall, entwurzelte Bäume, Strom-/Telefon-/Internet-Ausfall, Strassensperrungen, liegengebliebene Bergbahnen uvm. - nicht nur wir wurden überrascht.
Somit konnten wir erst am Morgen entscheiden, wie es für uns weitergeht. Wie sehen Straßen und Wege aus, wie geht´s mit dem Wetter weiter ...???
Schließlich stünde der Aufstieg zur Kaunergrathütte an, immerhin auf über 2800 m Höhe gelegen. Erst an der Bushaltestelle dann die Entscheidung, dass wir zumindest noch eine Nacht bleiben. Also per Bus nach Plangeross und 1200 Hm hoch zur Hütte, die wir wieder entgegen der Vorhersage nicht ganz trocken erreichen. Unterwegs auch unter hölzernen Sturmopfern durchkriechend. Immerhin zieht ein leichtes Gewitter an uns vorbei - und dank Trockenraum am nächsten Morgen keine klammen Klamotten und Schuhe.
Am Donnerstag soll es endlich wirklich trocken bleiben und für den wieder feuchten Freitag hätten wir notfalls eine zwar langwierige, aber sichere Option um per Bus zu unseren Fahrzeugen zurückzukommen.
Somit steigen wir seilversichert hoch ins Apere Madatschjoch auf 3030 m Höhe und drüben sehr spannend runter Richtung Madatschtürme. Plangeross- und Madatschferner rund um die Watzespitze sehen traurig aus: Blankeis und deutlich geringere Ausdehnung als in der ein paar Jahre alten Karte. Aus den Nordwänden poltert es gewaltig rüber, auftauender Permafrost? - einfach viel zu warm in dieser Höhe ...
Wetter gut, wir haben Zeit und Lust, somit geht´s ab Richtung Mooskopf oder Madatschkopf - je nach gusto also 200 oder 400 weitere Höhenmeter auf bequemem Bergweg.
Die Schafe unterwegs in der Tat nicht dumm - kühlen sich auf dem Schneefeld, Chef oder Chefin lässt sich sogar von den anderen von oben Schatten spenden ...
Oben mal wieder Wahnsinnsrundblick. Norden, Westen, im Süden u.a. die Weißkugel, direkt dabei Watze- und Verpeilspitze. Man steht auf fast 2800 m, also höher als alles in unseren Allgäuern, und fühlt sich klein, tief unten angesichts der herausragenden Kolosse um einen herum.
Immer wieder faszinierend, wo wir dank der Bergwege und Steige hingelangen.
Nachher geht´s runter in die Verpeilhütte, auch hier bleibt ausgiebig Zeit, um es uns und unseren strapazierten Füßen gutgehen zu lassen. Nicht zuletzt dank einem auch hier ganz lieben Hüttenteam. Klar, die harten Mädels suchen sich irgendwann eine Gumpe im Gletscherbach.
Wetterbericht für Freitag uneindeutig, von Regen/Gewitter ab 10 Uhr bis erst nachmittags alles dabei, Wahrscheinlichkeiten steigend von 50 auf über 90% im Tagesverlauf. Entscheidung morgens beim etwas früheren Frühstück. Die eine Hälfte mit den Fahrern steigt wie urspr. geplant 800 m hoch übers Verpeiljoch auf 2825 m Höhe vom Kaunertal zurück ins Pitztal, die anderen nutzen das Angebot von Traudls einheimischem Bekannten Hans, sie im Bereich Feichten/Verpeilalm abzuholen.
Die Jochquerer erreichen dann leider nicht mehr trocken das Tal. Kurz und heftig zieht kurz oberhalb der Baumgrenze ein Gewitter drüber und zwingt zur Anwendung der Verhaltensregeln: Stöcke/Schirme entfernt unterhalb ablegen, jeweils zu zweit mit großem Abstand zwischen den Gruppen unter Biwaksack auf Rucksack kauern, Füße zusammen ...
Später wieder kurz querfeldein, den "umsturzbaumversperrten" Weg umgehend und schließlich mit dem Bus zurück nach Jerzens und zum Parkplatz, wo uns die anderen bereits erwarten. Die waren nicht nass geworden, nur von innen bei der Schnapsprobe. Und hatten auch schon fangfrische Forellen als Mittagessen genossen. Naja, für uns anderen tut´s ein Riegel doch auch (... nicht wirklich).
War also sehr intensiv und zeigt uns, dass wir immer äußerst flexibel sein müssen und dennoch nicht alles 100%-ig vorausplanen können. Dass wir als Teilnehmer über die entsprechenden Fähigkeiten + die Ausrüstung verfügen müssen (z.B. auch Trittsicherheit bei Nässe, Steinschlaghelm tragen, Notfallausrüstung mitführen ...).
Dass wir uns den Anforderungen einer Tour auch bei schlechteren Verhältnissen gewachsen fühlen. T3 ist an sich schon "anspruchsvoll"; bei Nässe, Gewitter, unwetterbedingten Wegschäden wird´s somit noch anspruchsvoller.
Der Gefahren bewusst sein, so gut es geht vorbereitet sein.
Offen kommunizieren, ehrlich sein, bestehende Bedenken äußern, Alternativen prüfen und bewerten. Das alles frühzeitig. Im Nachgang reflektieren.
Nicht immer einfach, ja. Und ganz ohne Risiko können wir unsere geliebten Berge eben meist nicht hautnah erleben.
Aber wir schaffen uns mit jedem Bergtag Erfahrungen, von denen wir profitieren. Einzeln und als Gruppe. Verschieben unsere Grenzen, verlassen manchmal unsere Wohlfühlblase und wachsen daran. Vollkaskoversicherung gibt´s am Berg nun mal nicht - auch wenn wir unsere Haut-Hagelschäden vom Dienstag gerne unserer Versicherung gemeldet hätten :-)
Von uns Guides Margareta & Stephan der Dank allen Teilnehmern für das umsichtige und herzliche Miteinander, das wie immer schöne Gruppenerlebnis. Dank auch wieder den Fahrern, die uns sicher hin- und wieder heim brachten.
Stephan
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